Tod und tote Körper
Finanziert von der
Volkswagen-Stiftung

Teilprojekt III (a): Medizingeschichte
(verantwortlicher Leiter Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß)


(a) Allgemeine Fragestellung

Ausgangspunkt der Analyse ist die Feststellung, dass der gegenwärtige, vorrangig innerhalb der Medizin geführte Diskurs um „unzureichende“ Sektionsquoten die historische Dimension weitgehend ausspart. Während die medizinische und gesundheitspolitische Relevanz der Sektion gut untersucht ist, liegen die Ursachen der traditionell niedrigen Sektionsquote in Deutschland sowie ihres weiteren Rückgangs weitgehend im Dunkeln. Dabei halten wir (zeit)geschichtliche Erklärungsfaktoren für maßgeblich: Unsere These ist, dass historisch se­di­mentierte (Wert-)Vorstellungen und juristische Rahmenbedingungen eine wesentliche Rol­­le spielen. So lässt sich zeigen, dass die Diskussion ärztlicher Experten um eine un­zurei­chen­de Akzeptanz der Sektion bis in die 1950er-Jahre (in Einzelfällen gar noch weiter) zu­rück­reicht. Gleiches gilt für die ärztliche Kritik an der Gesetzgebung zum Sek­tionswesen. Auch die seit den 1970er-Jahren nachweisbare öffentliche Dis­kus­sion um die Einfüh­rung eines Transplantationsgesetzes und die Akzeptanz des Hirntod­kri­teriums weist enge Ver­bin­dungslinien zum Thema der klinischen Sektion auf. Daneben lässt sich auch in Bezug auf den ärztlichen Umgang mit der Sektion ein Wandel vermuten.

Der Beitrag der Medizingeschichte soll in einer systematischen Analyse aller Größen, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges (aus der Perspektive von Medizin und Gesund­heits­we­sen) auf den aktuellen Stellenwert der klinischen Sektion Ein­fluss genommen haben, bestehen.

 


Teilprojekt III (b) : Medizinethik
(verantwortlicher Leiter Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß)


(a) Allgemeine Fragestellung

Auch aus medizinethischer Sicht wurde die Sektionsfrage in Deutschland bis dato allenfalls am Rande beleuchtet. Bezüge finden sich am ehesten in Beiträgen, die sich mit konkreten juristischen Fragen beschäftigen und dabei implizit auch ethische Aspekte thematisieren.Einzelne kurze Hinweise auf ethische Implikationen der Sektionsfrage liefern darüber hinaus lexikalische Beiträge rund um das Thema Bioethik. Ausgangspunkt der Analyse ist die Diskussion zwischen den (vornehmlich aus den Reihen der Ärzte stammenden) Befürwortern der Sektion und ihren Gegnern. Des Weiteren interessieren aus medizinethischer Sicht der hospitalisierte und professionalisierte Umgang mit dem Sterbenden und dessen Rückwir­kun­gen auf den gesellschaftlichen Umgang mit der „Sektions­frage“.

Ziel des Teilprojektes ist es, Grundzüge einer aus ethischer Sicht angemessenen öffent­li­chen Behandlung dieses Themas zu entwickeln.

 

 

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

PD Dr. MA Christoph Schweikardt (wissenschaftlicher Mitarbeiter)

M.A. Stephanie Kaiser (wissenschaftliche Mitarbeiterin)

M.A. Jens Lohmeier (wissenschaftliche Hilfskraft)

 

Kontakt:

RWTH Aachen
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin
Wendlingweg 2
52074 Aachen

Sekretariat: +49 (0) 241 8088095


 


 

 

 

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